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Presse
01.09.2010, 09:43 Uhr Übersicht | Drucken
Griff in die politische Klamottenkiste
ZU „20 JAHRE EINHEIT: PLATZECK KRITISIERT DDR-,ANSCHLUSS’“, 30. 8., S. 1


 

**Die unsäglichen Gedankenspaziergänge des Ministerpräsidenten entsprechen meiner Ansicht nach weder der Meinung der Mehrheit der Brandenburger noch der Ostdeutschen insgesamt.
Welche „gnadenlose Deindustrialisierung“ meint Herr Platzeck denn? Etwa die Stilllegung der Chemieanlagen bei Bitterfeld, die in unglaublichem Ausmaß unsere Umwelt zerstörten? Etwa die Industrien, die unwirtschaftlich produzierten, weil auf jeden Arbeitsplatz fünf Arbeitskräfte kamen, um Vollbeschäftigung vorzutäuschen? Etwa die Industrien, die kurz vor dem Zusammenbruch standen, weil aufgrund sozialistischer Planwirtschaft immer mehr erwirtschaftet werden musste, ohne dass in sie investiert wurde? Der Ministerpräsident übersieht, was seit der Wende alles getan wurde, um auch in Brandenburg neue, zukunftsorientierte Industriezweige aufzubauen, die es ohne die Leistung aller Deutschen so nicht gegeben hätte.
 


Die blühenden Landschaften sind tatsächlich da, man muss nur mal die Augen öffnen! Und was meint Herr Platzeck eigentlich mit gesellschaftlichen Verwerfungen? Es wurde doch kein Ostdeutscher gezwungen, seine gesellschaftlichen Bindungen aufzugeben. Wer sich seit 20 Jahren nicht mehr in Kollektiven o. ä. trifft, der hat diese Entscheidung für sich selbst getroffen. Wohl deshalb, weil es den Druck der sozialistischen SED-Gesellschaft mit samt ihrer greisen Staatsführung nicht mehr gibt und jeder frei entscheiden kann, ob und welchen Kontakt er sich aussucht.
Nein, es ist gut, dass es vor 20 Jahren so kam, wie es gekommen ist. Wir können glücklich sein, dass wir seit 20 Jahren in einem Staat leben, in dem wir selbst unseres Glückes Schmied sind, den der überwiegende Teil der Ostdeutschen 1990 wollte und die dies in einmaliger Art und Weise in der deutschen Geschichte herbeidemonstriert haben.
Im Übrigen handelte es sich bei der Vereinigung 1990 auch nicht um einen Anschluss der DDR, sondern um einen Beitritt aufgrund der Mehrheitsentscheidung der letzten und einzig frei gewählten Volkskammer. Wer von Anschluss spricht, greift in die politische Klamottenkiste der SED und ihrer Nachfolger und offenbart, wie weit er schon vom dunkelroten Virus infiziert zu sein scheint.

JöRG VAHL, CDU-Vorsitzender
Dallgow-Döberitz

02.09.2010, 10:58 Uhr

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